Samstag, 4. Mai 2013

Schlampige Semantik als Regierungsutensil

Angeblich hat A. Merkel behauptet, Haushaltskonsolidierung werde neuerdings »Austerität« genannt.
Hier das ganze Zitat aus der New York Times:
”I think budget consolidation is now interestingly labeled with the word austerity, which is otherwise not used in Germany,“ Ms. Merkel said this week at a news conference with the new Italian prime minister, Enrico Letta. ”In Germany we didn’t even know this word before the crisis.“
 Na, wenn das mal nicht geflunkert ist. Oder schlimmer: eine gezielte Irreführung. Denn ”Haushaltskonsolidierung“ verhält sich zu ”Austerität“ wie ”Heilung“ zu ”Schröpfkur“ oder ”Chemotherapie“: der allgemeinere Begriff markiert den Zweck, der besondere das eingesetzte Mittel. Wirtschaftswissenschaftler sind ja überhaupt nur auf diesen Begriff gekommen, um das Bündel aus Maßnahmen, das damit gemeint ist (das sich bekanntlich nicht einmal nur auf eine veränderte Ausgabenpolitik beschränkt), von dem Wort »Sparen« oder »Sparmaßnahmen« abzugrenzen. Denn es wird ja nicht wirklich gespart. Die durch die Sparabsichtsmaßnahmen einbrechende Wirtschaft kostet den Staat sogar mehr Geld als ein »weiter so«.

Insofern ist es schon eine Unverschämtheit, die beiden Begriffe Haushaltskonsolidierung und Austerität gleichzusetzen. Durch einen semantischen Trick soll verscheiert werden, dass es durchaus Alternativen (zur Austerität) gibt oder gegeben hätte, um das Ziel der Haushaltskonsolidierung zu erreichen.

Wer ”Schröpfkur“ für ein Synonym zu ”Heilung“ hält, wird über kurz oder lang die meisten Patienten über die Klinge springen lassen.

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