Donnerstag, 26. März 2009

Vor zehn Jahren begann der NATO-Krieg gegen Jugoslawien

Anläßlich dieses in jeder nur erdenklichen Hinsicht traurigen Jubiläums veröffentlichte die junge Welt eine Reihe von sehr lesenswerten Beiträgen.

Stellvertretend hier ein Zitat aus einem Gespräch mit der Balkan-Expertin Diana Johnstone: »Das Problem ist nicht nur, daß Regierungen die jugoslawische Tragödie zu ihren eigenen politischen und strategischen Zielen ausgenutzt haben. Das eigentliche Problem ist, daß Millionen Menschen diese dramatische Geschichte der bösen Serben, die ethnische Säuberungen begingen und Unschuldige abschlachteten, geglaubt haben und ihre eigenen Emotionen in dieses Bild investierten. Ich denke nicht, daß ich es noch erleben werde, daß sich die Wahrheit durchsetzt.«

Den Weg der Grünen vom Pazifismus zur Kriegspartei hat Jutta Ditfurth nachgezeichnet.

Wer ein Beispiel für den Mainstream sucht, der wird z.B. bei der Welt fündig, wo ein gewisser Richard Herzinger »Deutsche Bauchschmerzen über den Kosovo-Krieg« beklagt.

Tja, was sollen auch Gewissensbisse über Tote und Verletzte bringen, ganz zu schweigen vom Bedauern darüber, dass der erste Krieg unserer »Verteidigungsarmee« ein Angriffskrieg war? Sind doch bloß »Bauchschmerzen«, nun stellt euch nicht so an! Stattdessen redet der Autor dem Leser prophylaktisch schon mal jeglichen kritischen Gedanken aus, bevor ein solcher auch nur als einzelnes Blättchen im deutschen Blätterwald geraschelt hätte. Schamlos wird auch gleich Rassismus unterstellt: »Manch einem mag auch nicht geheuer sein, dass die Nato mit den Kosovo-Albanern einer muslimischen Bevölkerung zu Hilfe kam.«

Herzinger weiß auch (woher nur?), dass es nicht die Unannehmbarkeit der Rambouillet-Bestimmungen war, die Milosevic davon abhielt, diese Urkunde zu unterschreiben, sondern sein Kalkül, mit den Grünen in Deutschland an der Regierung würde der Westen mit seinen Kriegsdrohungen nicht ernst machen können. Und so wird dann die Grünen-Führung gelobt, dass sie den pazifistischen Teilen der Basis widerstanden hat.

Abschließend wird der NATO-Krieg noch als »Fortentwicklung« des Völkerrechts gepriesen. Ich würde ja gerne sagen, dass ich selten so einen zynischen Dreck gelesen hätte, aber das wäre gelogen. Vor zehn Jahren war das in unserem Land der publizistische Standard.

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